Praxisorientiertes Studium an der
RFH Köln / Einblicke und Ausblicke zum Studiengang Bachelor Mediendesign
Prof. Dr. Stefan Ludwigs, Studiengangsleiter Mediendesign
Prof. Dr. Stefan Ludwigs stellt in seinem Vortrag den Bachelorstudiengang Mediendesign vor, der sich auf die klassischen und elektronischen Mediensysteme und auf eine entsprechende gestalterische und wissenschaftliche Ausbildung konzentriert.
Die vielfältigen Gestaltungsaufgaben der medialen Kommunikation unserer Industrie-, Konsum- und Kulturgesellschaft und das Management dieser Kommunikation bilden das Spektrum im Berufsfeld Mediendesign.
Im Foyer laden ausgestellte Semester-, Projekt- und Abschlussarbeiten zu den Themen Corporate Design, Kampagnen-Entwicklung, Kurzfilm, Webdesign etc. zum Hineinschnuppern in die aktuellen Studienfächer des Fachbereichs Mediendesign ein.
Zwischendurch können die Besucher in der Lounge bei Getränken und Snacks Kontakt mit Studierenden, Professoren, Dozenten und Referenten aus der Medienbranche aufnehmen, um im Rahmen des Forum Mediendesign Einblicke in den Studien- und Berufsalltag zu erhalten.
Offizieller Auftakt 3. Forum Mediendesign
Begrüßung
Prof. Dr. Rainer Riedel, Präsident der RFH Köln
Prof. Dr. Stefan Ludwigs, Studiengangsleiter Mediendesign
Referenten der Fachvorträge
Lars Büchel, Regisseur, element e, Hamburg
Dieter Blum, Fotograf, Düsseldorf und Esslingen
Fons Hickmann, Grafik-Designer, m23, Berlin
Andreas Hykade, Trickfilmregisseur, Stuttgart
Indra Kupferschmid, Typografin, Saarbrücken
Joachim Sauter, Medienkünstler & -gestalter, art+com, Berlin
Götz Ulmer, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt, Hamburg
Peter Wippermann, Trendforscher, Trendbüro, Hamburg
Medien verlieren ihren Charakter und gewinnen an Bedeutung / Es geht um Kultur, nicht um das Geschäft
Prof. Peter Wippermann, Trendforscher und Mitgründer des Trendbüros, Hamburg
Prof. Peter Wippermann, der in Deutschland den Begriff der »Ich-AG« einführte, ist auf Kommunikationsstrategien für trendgestützte Markenführung spezialisiert. Er zeigt Marktchancen auf, die aus den Sehnsüchten einer Gesellschaft resultieren. Das Emotional Design von Produkten und Services steht dabei im Vordergrund. Wippermann gilt als einer der führenden Trendforscher in Deutschland.
Zum Vortrag: In der Netzwerkökonomie wird das Internet die Infrastruktur sein. Kommunikation, Transaktion und Produktion werden persönlich und global. Traditionelle analoge Medien werden zum Interface digitaler Produktion. Sie verlieren ihre Geschäftsmodelle und erfinden ihre kulturelle Bedeutung neu.
Nach einer Schriftsetzer-Lehre im väterlichen Grafik-Design Studio wurde Wippermann Art Director beim Rowohlt-Verlag sowie beim ZEITmagazin. 1988 gründete er gemeinsam mit Jürgen Kaffer das Büro Hamburg, eine Gesellschaft für Kommunikationsdesign. 1990 wurde er verantwortlicher Herausgeber des Zukunftsmagazins »Übermorgen« und konzipierte die Zukunftsevents »Talk with Tomorrow« für Philip Morris. 1992 gründete Peter Wippermann gemeinsam mit Matthias Horx in Hamburg das Trendbüro – Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel.
Ein Jahr später wird er von der Universität Essen zum Professor für Kommunikationsdesign berufen. Er ist Mitbegründer der LeadAcademy für Mediendesign und Medienmarketing, Beiratsmitglied in bayerndesign und hamburgunddesign.
Das Trendbüro befasst sich mit der Beobachtung von Trends und der Interpretation des gesellschaftlichen Wandels. Wirtschaftswissenschaftler arbeiten Hand in Hand mit Soziologen und Ethnologen, Marketing-Experten mit Designern und Kulturwissenschaftlern. Unterstützt werden sie von einem über den gesamten Globus gespannten Netzwerk, das aus Korrespondenten, Trendscouts und Experten besteht.
Im Rahmen der Arbeit des Trendbüros befasst sich Peter Wippermann mit Gesellschafts- und Konsumtrends, dem Wertewandel in der Gesellschaft, integrierten Kommunikationsstrategien, Emotional Design, Konsumentendemokratie, Schwarm-Intelligenz und der Zukunft der Medien. Unter seiner Leitung findet jedes Jahr der Trendtag in Hamburg statt.
Ein Spezialgebiet Wippermanns sind Kommunikationsstrategien für trendgestützte Markenführung. So schreibt die WamS anlässlich des 10. Deutschen Trendtages in Hamburg über ihn: »Kaum ein Großunternehmen kommt ohne seine Forschung aus, diesen Blick auf Veränderungen im Verhalten der konsumierenden Menschen. [...] Wippermann ist inzwischen ein von Medien wie Unternehmen gesuchter Deuter auffälliger Phänomene.«
In seinem Buch, »Länger leben, länger lieben. Das Lebensgefühl der Generation Silver Sex«, widmet er sich dem Phänomen einer Generation, die erstmals länger alt als jung sein wird, und die damit Probleme hat. Aber Wippermann ortet auch deren Ursache: die Anpassungsträgheit von Werten und Normen.
Gegen den visuellen Analphabetismus
Oder: Warum Art Directoren die besseren Werber sind
Götz Ulmer, Geschäftsführer Kreation, Jung von Matt/Alster Werbeagentur, Hamburg
Götz Ulmer ist seit 2003 Mitglied im ADC (Art Directors Club Deutschland). Seine Arbeiten wurden auf vielen internationalen und nationalen Wettbewerben ausgezeichnet: ADC Deutschland, ADC Europe, Clio, Epica, The New York Festival, Cannes Lions Festival, London International Advertising Awards, etc. Außerdem gilt er als der deutsche Art Director, dessen Arbeiten am häufigsten im Fachmagazin Lürzer’s Archive veröffentlicht wurden.
Hier setzt auch sein Vortrag an, in dem er den Fragen nachgeht, wie man sich ein gutes Layout erarbeitet, es als solches erkennt und bewerten kann. Dabei gewährt er mit konkreten Beispielen aus seiner Praxis tiefe Einblicke in die Arbeit bei Jung von Matt.
Der gebürtige Stuttgarter ist seit seinem Studium (Kommunikationsdesign, FH Darmstadt) in verschiedenen Bereichen in der Kreation der renommierten Werbeagentur Jung von Matt tätig. Nach seinem Berufsstart 1995 als Grafiker wurde Götz Ulmer 1997 Art Director. Seit 2000 zeichnet er als Creative Director für die Kreation verantwortlich und entwickelte preisgekrönte Kampagnen für eBay (Europe), MINI (international), BMW, Audi und viele weitere Marken.
Anfang 2007 wurde er stellvertretender Geschäftsführer bei Jung von Matt/Alster in Hamburg. Zur Zeit betreut er u.a. Kunden wie DMAX, TV Spielfilm und die Hamburger Philharmoniker.
Mit eben jenen Hamburger Philharmonikern hat er Anfang 2009 ein Projekt initiiert, auf das er besonders stolz ist: Ein Orchester wagt sich aus seinem Graben – die Philharmoniker machten am 2. März ganz Hamburg zu ihrem Konzertsaal. Eine Sinfonie lang wurden die Philharmoniker zu Straßenmusikanten. Sie verteilten sich über die Stadt und spielten Brahms' zweite Sinfonie in U-Bahn-Schächten, auf dem Fischmarkt, im alten Elbtunnel und in der Staatsbibliothek, an 50 ungewöhnlichen Orten. Jeder der insgesamt 100 Musiker spielte dabei alleine seinen Teil des Stücks, und alle waren dabei so verkabelt, dass sie ihre Dirigentin auf einem Bildschirm sehen und ihre Mitspieler hören können. Als Opernorchester, das im Graben vor den Zuschauern versteckt ist, kenne außerdem kaum jemand die Hamburger Philharmoniker unter ihrem Namen, sagt Götz Ulmer. Seine Agentur entwickelte darum das Konzept dieser Marketingaktion – umsonst, quasi im Dienste der Kunst. »Zuerst hatte ich Bedenken, einer Gruppe professioneller und auch ein bisschen divenhafter Musiker meine Idee zu verklickern«, sagt Ulmer. Doch dann stellten sich die Profis aus dem heimeligen Orchestergraben für den Werbespot zum Stadtkonzert sogar bei Sturm und Regen auf ein Hochhaus oder auf der Reeperbahn in einen Sexshop zwischen Reizwäsche und Ledertoys.
Götz Ulmer – ehemals Schlagzeuger in einer Heavy-Metal-Band – spielt übrigens auch: auf dem Schlagzeug in seinem Büro.
Holger Jung und Jean-Remy von Matt gründeten 1991 in Hamburg die Kreativagentur Jung von Matt. Heute agiert die Gruppe mit 12 Agenturen (acht für klassische Werbung, sowie jeweils eine für Corporate Identity/Design, neue Medien & online/DM/CRM, Event/PR und Media) mit Standorten in Deutschland, Österreich, Schweiz und Schweden. Die Billings der Gruppe lagen zuletzt bei 540 Mio. Euro. Beim aktuellen manager magazin Kreativ-Index rangiert Jung von Matt auf Platz 1 der kreativsten Werbeagenturen und auf Platz 1 der besten Internetwerber. Der ADC Deutschland kürte Jung von Matt zur Agentur des Jahres 2007. Zu den Kunden zählen unter anderen BILD Zeitung, Bosch, Ferrero, Mercedes Benz, TUI, Sixt, Unilever und die Deutsche Post.
Grundfragen des Animationsfilms
Prof. Andreas Hykade, Trickfilmregisseur, Stuttgart
Andreas Hykade gehört zweifelsohne zur Crème de la crème der deutschen Trickfilmregisseure. Zu seinen wohl bekanntesten Arbeiten zählt das Musikvideo »10 kleine Jägermeister« der Toten Hosen, aber auch seine Kurzfilme laufen weltweit sehr erfolgreich auf renommierten Trickfilmfestivals.
Geboren und aufgewachsen ist Andreas Hykade in Altötting. Eine Abschlussarbeit während des Abiturs war der Animationsfilm »Jochen, der auszog, sein Gesicht zu suchen«, »ein junges, wildes Werk", sagt er heute. Sein damaliger Kunstlehrer empfahl ihm daraufhin, sich bei der Kunstakademie in Stuttgart zu bewerben. Während seines Studiums kam Hykade in Kontakt mit dem Animationsfilm und der Londoner Szene, die in Sachen Animationsfilm die Vorreiterrolle inne hat. Sein Film »Ring of Fire« war sein Durchbruch in der Szene. Nach seinem Studium stieg er im renommierten Stuttgarter Studio Film Bilder ein, welches ihm produktionstechnisch seither den Rücken frei hält.
Die Kinder-Serie »Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig« ist sein bisher größter Erfolg. Tom nimmt momentan auch den größten Platz im Arbeitalltag des leidenschaftlichen Zeichners ein. »Tom geisterte im Prinzip Jahre heimatlos durch meine Skizzenbücher. Schon als Kind erzählten meine Schwester und ich uns gegenseitig die Geschichten von Tom. Schon damals war die Erdbeermaus ein kleiner, fieser Kapitalist«, schmunzelt er. Als er aus Spaß, ohne groß darüber nachzudenken, seinen Kollegen – und heutigen Tom-Produzenten – Thomas Meyer-Hermann zeichnete, war die Figur Tom geboren. Ein SWR-Redakteur sah die Geschichten, fand sie lustig, und die Erfolgsstory nahm ihren Lauf. Inzwischen werden die Folgen 27 bis 52 produziert, denn Tom und sein Erdbeermarmeladebrot kommt bei den Kindern sehr gut an.
Lange Jahre arbeitete Hykade für die Werbung. Viele seiner Arbeiten wurden national und international ausgezeichnet. Seit 2004 ist er Mitglied im Art Directors Club Deutschland sowie seit 2005 Professor an der Kunsthochschule Kassel. 2007 präsentierte das Museum of Modern Art New York Hykades Trilogie der »Länderfilme«, die auf mehreren prestigeträchtigen Animationsfestivals mit Toppreisen ausgezeichnet wurden: der mythische Film »We Lived in Grass« (1995), der schlüpfrige Spelunkenfilm »Ring of Fire« (2000) und das aufwühlende Ende der Trilogie, »The Runt«, ausgezeichnet mit dem Deutschen Kurzfilmpreis. Seit 2008 lehrt Andreas Hykade an der Harvard University. Zur Zeit sind mehrere Projekte in Vorbereitung, u.a. ein Zeichentrickfilm über das Leben Jesu.
Hamburgefonswas?
Prof. Indra Kupferschmid, Typografin, Bonn und Saarbrücken
Indra Kupferschmid arbeitet als Gestalterin und Beraterin, schreibt Bücher über Typografie (u.a. »Buchstaben kommen selten allein« und »Helvetica forever«) und unterrichtet Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar.
Zum Vortrag: Schriften auswählen ist der interessanteste Teil des Gestaltungsprozesses – zumindest, wenn man weiß, wie und wonach man in den Weiten der Schriftmuster und Angebote suchen soll (oder eine Menge Schriften im Kopf hat). Für andere bleibt es eine ewig ungeliebte Aufgabe und sie geben spätestens beim Buchstaben G(aramond) oder sogar gleich bei A(rial) auf.
Schriften kommen in verschiedenen Geschmacksrichtungen vor, die vor, während und nach dem Lesen durchscheinen. Diese werden jedoch sehr subjektiv wahrgenommen. Kann es überhaupt objektive Tipps zur Schriftwahl geben? Welche Faktoren muss man beachten, wenn man z.B. ein Lexikon, ein Orientierungssystem oder eine Geschäftsausstattung gestaltet? Und können Klassifikationen bei der Schriftwahl helfen?
1973 in Fulda geboren, studierte Indra Kupferschmid von 1993–99 Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar und bei Fred Smeijers in den Niederlanden. Seit 1999 selbstständig gestaltet sie hauptsächlich Drucksachen/Bücher, Geschäftsausstattungen, Ausstellungen und Projekte zum Thema Architektur und Baukultur (mit Lars-Christian Uhlig). Im Schriftbereich entwickelte sie u.a. Corporate- und Logo-Types sowie customer-spezifische Fonts für technische Geräte und Interfaces.
Daneben unterrichtete Indra Kupferschmid seit vielen Jahren an verschiedenen Hochschulen Typografie und Schriftgestaltung, forscht zum Thema Schriftklassifikation und arbeitet im Normungsausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN) mit. Ihre »Klassifikation nach Formprinzip« ist u.a. publiziert in Hans Peter Willberg »Wegweiser Schrift« und Max Bollwage »Typografie kompakt«. Ihr Typografiebuch »Buchstaben kommen selten allein« ist im Niggli-Verlag erschienen und wurde als eines der schönsten deutschen Bücher ausgezeichnet. Zur Zeit arbeitet sie an einem neuen Buch zum Thema Schriftwahl und Klassifikationen.
Nach vielen Umzügen über Ost (Weimar), Nord (Hamburg) und West (Amsterdam) lebt sie, wenn sie nicht gerade unterwegs in der Bahn sitzt ist, in Bonn und Saarbrücken.
Auf die Frage, welche typografischen Projekte sie gerne realisieren würde, antwortete Indra Kupferschmid in einem Interview: »Ich wollte immer gerne ein Telefonbuch machen. Oder ein Lexikon, ein Chemiebuch, neue Straßenschilder, schönere Supermarktwerbeblättchen, Bankautomatendisplays, einen Grabstein … jedenfalls interessieren mich komplexe typografische Aufgaben. Wenn ich aber wieder einige anstrengende Projekte gemacht habe, sehne ich mich nach einem Roman ohne Abbildungen und Spaltensystem«.
Pause
Gutes Design ist allein macht auch nicht glücklich:
Zeit für Kaffee und Kuchen, Konsum und Kontakte, Kölsch und Klüngel
Kognition versus Emotion
Mediale Installationen und Räume zur Wissensvermittlung
Prof. Joachim Sauter, Medienkünstler, -forscher und -gestalter,
Vorstand art+com Berlin
Joachim Sauter ist Professor für Gestaltung mit digitalen Medien an der Universität der Küste, Berlin und seit 2001 ist er zudem Professor für Mediengestaltung und Medienkunst an der UCLA, Los Angeles.
Im Rahmen seiner gestalterisch-
forschenden Tätigkeit wurde Joachim Sauter mit Preisen ausgezeichnet wie dem Ars Electronica Interactive Award, Los Angeles Interactive Media Award, Prix Pixel INA, British Academy for Film and Television Interactive Award, Deutschen Designpreis sowie dem Schweizer Designpreis.
Zum Vortrag: Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Emotion und Kognition in der Gestaltung. Die wichtigste Frage hierbei ist: Kann Emotion der Türöffner für die Wissensvermittlung sein oder überlagert die Emotion den Erkenntnisprozess und behindert die Wissensvermittlung. Diese Frage wird Joachim Sauter an Projekten aus seiner eigenen Praxis diskutieren.
Joachim Sauter studierte Gestaltung an der Hochschule der Künste Berlin und Regie und Kamera an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Seit Beginn seiner Gestaltertätigkeit beschäftigt er sich mit dem Computer als Werkzeug und Medium und experimentiert bereits seit den 1980er Jahren mit digitalen Medien und neuen Bedingungen für Inhalt, Form und Erzählstrukturen. Aus diesem Interesse heraus gründete er gemeinsam mit anderen Künstlern, Designern, Wissenschaftlern und Technikern 1988 art+com. Ihr Ziel war es, dieses aufkommende neue Medium im Bereich Kunst und Design grundlegend und praktisch zu erforschen.
Seine Arbeiten und Themen zeugen dabei von einer großen Offenheit gegenüber anderen Disziplinen: sie reichen von der digitalen Bühneninszenierung und Installation bis zur Architektur und medialen Einbeziehung des öffentlichen Raumes. Zu diesen Arbeiten zählen u.a. »The Jew of Malta« mediale Bühne und Kostüme, 1999/2002; »Langrange Ballet – kinetische Skulptur« 2008, »Composing the Lines« eine Installation zu Libeskinds architektonischen und Schönbergs musikalischen Strukturen, 2002; »Spheres« Medienfassade für das neue BMW Museum« München 2008.
Im Mai 2009 holt art+com mit dem Clio Award, dem Black Pencil des D&AD London und dem Goldenen Löwen in Cannes höchste Ehrungen für die »Kinetische Skulptur« im Münchner BMW Museum. Die Kinetische Skulptur übersetzt den Prozess der Formfindung in Kunst und Design metaphorisch in den Raum. 714 Metallkugeln bewegen sich im Zusammenspiel aus Mechanik, Elektronik und Code durch eine siebenminütige Narration. Auf einer Fläche von sechs Quadratmetern an feinen Stahlseilen hängend, werden sie einzeln über computergesteuerte Schrittmotoren bewegt. Anfangs bildet die Installation einen chaotischen Zustand ab, dann miteinander im Wettstreit liegende Formen bis diese schließlich zu einem finalen Objekt werden. Dieser Prozess wird in einer Reihe von Visualisierungs-Variationen dargestellt. Im Laufe seiner Tätigkeit wurde Joachim Sauter zur Teilnahme an zahlreichen Ausstellungen eingeladen. Daneben stellte er seine Arbeiten international in Museen aus, beispielsweise bei der Ars Electronica Linz, im Centre Pompidou Paris, Stedelijk Museum Amsterdam, Museum for Contemporary Art Sidney, Deichtorhallen Hamburg, Biennale Venedig, ICC Tokyo, Getty Center Los Angeles, ZKM Karlsruhe.
Werbung – das ungeliebte Kind
Von Angst und Ängsten in der deutschen Werbung
Lars Büchel, Autor, Filmproduzent, Regisseur, element e filmproduktion, Hamburg
Lars Büchel gründete zusammen mit Produzent Bernd T. Hoefflin die Filmproduktion »element e« in Hamburg. Die Firma produziert neben seinen eigenen Filmen Werbespots u.a. für Allianz, Fritz Kola, McDonalds, Red Bull, Renault oder VW und erhielt dafür zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen. Insgesamt realisierte Lars Büchel seit 2000 über 200 Werbespots, die vielfach prämiert wurden.
Zum Vortrag:
Kaum ein Medium erhitzt so die Gemüter wie die Werbung.
Scheinbar alle lehnen sie ab, doch alle haben sie gesehen.
Wie passt das zusammen?
Wehe dem, der Werbung kreiert, welche die Zielgruppe nicht erreicht.
Der Kunde bekommt Angst davor, Käufer zu verlieren.
Die Agentur hat Angst, den Kunden zu verlieren.
Die Filmproduktion hat Angst, die Agentur zu verlieren.
Der Sender am Ende des Kreislaufs fürchtet sich davor, weniger
Buchungen für seine Schaltzeiten zu bekommen.
Angst ist kein guter Ratgeber.
Wie lässt sich gute, innovative, zum Teil radikale Werbung in so einem
Umfeld – gerade in Zeiten der Krise – noch entwickeln?
Wie wirken sich Ängste auf die Kreativität aus?
Welche Kraft geht von der Werbung wirklich aus?
Ein Ausflug mit Filmbeispielen in eine scheinbar künstliche Welt.
Lars Büchel wurde am 7. Juli 1966 in Eutin in Schleswig-Holstein geboren. Nach Studien der Theaterwissenschaften und Philosophie in Berlin war Lars Büchel an der Kunsthochschule für Medien Köln unter anderem Schüler von Dominik Graf, Horst Königstein und Alfred Biolek. Sein erster Langfilm »4 Geschichten über 5 Tote« (1998) war für den Max-Ophüls-Preis nominiert.
Der von Til Schweiger mitproduzierte Film »Jetzt oder nie« (2000) mit Gudrun Okras, Christel Peters und Elisabeth Scherer in den Hauptrollen war mit über 1,2 Millionen Zuschauern Büchels bislang größter Publikumserfolg. 2000 wurde der Film mit der »Lüdia«, dem Filmpreis der Stadt Lünen ausgezeichnet.
Sein Film »Erbsen auf halb 6« (2004) mit Fritzi Haberlandt wurde beim Deutschen Filmpreis
für die Filmmusik ausgezeichnet sowie mit dem Hörfilmpreis 2004.
Der von »element e« produzierte Episodenfilm »Nichts weiter als« lief in der Reihe »Perspektive Deutsches Kino« auf der 56. Berlinale. »Paulas Geheimnis« (Buch und Regie: Gernot Krää) gewann beim Internationalen Kinderfilmfest »Lucas« in Frankfurt 2006 den Hauptpreis. 2006 entstand der Kinospielfilm »Bis zum Ellenbogen« (Buch und Regie Justus von Dohnanyi). Er wurde beim Norddeutschen Filmpreis 2007 als bester Spielfilm nominiert. 2008 führte Büchel Regie bei dem Film »Lippels Traum« (nach einem Roman von Paul Maar), der in Marokko, München und Passau gedreht und auf den Berliner Filmfestspielen 2009 uraufgeführt wurde. In den Rollen: Moritz Bleibtreu, Anke Engelke, Christiane Paul, Uwe Ochsenknecht u.v.a.
Der Auslöser
Ein Fotografenleben
Dieter Blum, Fotograf, Düsseldorf und Esslingen
Dieter Blum zählt zu den herausragendsten Foto-Artisten der Welt, ein großer Künstler mit der Kamera, der virtuos mit Licht und Schatten arbeitet. Die Resonanz auf Blums Bilder ist beachtlich: allein seine Ausstellung »Körperkathedralen« in St. Petersburg wurde in zwei Monaten von 310.000 Menschen besucht. Auch auf der Biennale Venedig 2005 wird Blum gezeigt. Blum erhielt weit über 150 Auszeichnungen, darunter 1982 den Ersten Preis im bedeutendsten aller internationalen Bildwettbewerbe, den World Press Photo Award für seine Bilder im STERN über die Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan.
Dieter Blum, geboren 1936 in Esslingen, verschreibt sich schon in jungen Jahren der Fotografie. Seit Beginn seiner Selbstständigkeit im Jahre 1964 arbeitete er für Magazine wie STERN, SPIEGEL, TIME und VANITY FAIR (hauptsächlich für die Ressorts Kultur), fotografierte Werbung (z.B. von 1992 bis 2004 für Marlboro) und entwickelt Corporate-Design-Bildkonzepte für renommierte Unternehmen (u.a. IBM, Daimler-Benz, ABB, Porsche und zur Zeit für Shell, weltweit zum Thema »Technologien der Zukunft«).
In seinen freien Arbeiten verschreibt sich der Fotograf dem Dreiklang der Themen Musik (Berliner Philharmoniker, Richard Wagners Bayreuth, Puccini in der Verbotenen Stadt in Peking), Künstler und (Blum’s-) Modelle (Jörg Immendorff mit Nadja Bochmann, Günther Uecker mit Claudia Kron, K.R.H. Sonderborg mit Nadja Bochmann) und insbesondere dem Tanz (Portrait des Stuttgarter Balletts und jetzt das Porträt des Tänzers Vladimir Malakhov). Die Kompositionen aus plastischen Kombinationen, seinem Ballettzyklus, seinen modernen Ansichtslandschaften mit Raum und Architektur lassen uns teilhaben an seiner Sicht der Dinge und seiner hohen Kunst der Fotografie. Blum zeigt in seinen beeindruckenden Aufnahmen unterschiedliche Protagonisten und Gruppen des zeitgenössischen Tanzes. Dabei ist Blum ein engagierter Beobachter, der jene Momente herausgreift, die ihn faszinieren. Der Fotograf wird zum ausschweifenden Erzähler, zum Choreographen komplexer, phantastisch exzessiver Einzelbilder.
Die wichtigsten Stationen seiner Arbeit sind schwer zu definieren, da er über 60 Bücher publiziert bzw. gestaltet hat, u.a. »Afrika« 1976, »Russia« 1980, »Berliner Philharmoniker« 1983 und 2007, »Nippon« 1984, »pure dance« 2004, »Mensch, Schöder« 2005, »Vladimir Malakow« 2009 und ganz aktuell das neue Buch für Shell.
Dieter Blum ist berufenes Mitglied im ADC Deutschland, im DCC, im BFF, in der DGPh, in der Fotografischen Akademie, er lebt und arbeitet in Düsseldorf und Esslingen.
Touch Me There
Prof. Fons Hickmann, Grafik Designer, Fons Hickmann m23, Berlin
Fons Hickmann gilt als einer der einflussreichsten Grafik Designer der jüngsten Zeit und ist Gründer des Designstudios Fons Hickmann m23 in Berlin, das er zusammen mit Gesine Grotrian-Steinweg leitet. Er studierte Kommunikationsdesign, Fotografie und Philosophie in Düsseldorf und Wuppertal. 2001 gewann das Büro den renommierten Wettbewerb für das Corporate Design der Kieler Woche. Seit 2007 ist er Professor an der Universität der Künste in Berlin und lehrte zuvor sechs Jahre an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er ist Vorstandsmitglied des Designlabors Bremerhaven und Mitglied im TDC New York, ADC Deutschland und der Alliance Graphique Internationale. Jüngste Publikationen sind »Beyond Graphic Design. Klasse Fons Hickmann« (Hermann Schmidt Verlag) und »Fons Hickmann – Touch Me There« (DGV Gestalten Verlag).
»Touch Me There« … viele Entwürfe von Fons Hickmann haben diesen ganz eigenwilligen Fixpunkt, eine Stelle, die unter die Haut geht, die anrührt, ohne dabei aufdringlich zu sein. Eine Art virtueller Nähe. Es entsteht so ein unverbrauchter Blick auf die Dinge, mit großem Mut entworfen und viel Zutrauen zum Betrachter. Der Lehrer, der in Wien seinen Weg zu den Studenten über Fußball fand, schreibt an anderer Stelle: »LERNE! Was du kannst. Probiere aus, was du willst. SEHE, was es gibt. Suche, EXPERIMENTIERE. Mache FEHLER. Steige auf Berge und FALLE in Täler. Werde FROMM, werde verdorben, werde konservativ und werde RADIKAL. LIEBE, HASSE, dufte und STINKE, lache + weine. Und dann vergiss all das und finde deinen eigenen Weg – zu gestalten.« Das Subjektive, Direkte, Persönliche – im ersten Hinsehen mag wenig weiter weg wirken als die Arbeit von Fons Hickmann und das Bauhaus …, aber vielleicht liegt genau in diesem Spannungsverhältnis ein enormer Reiz.
Im Studio Fons Hickmann m23 liegt der Schwerpunkt auf der Gestaltung komplexer Kommunikationssysteme, Corporate Design, Buch- und Plakatgestaltung, Zeitschriftendesign und digitaler Medien. Die Arbeiten sind konzeptionell, analytisch, auch experimentell und machen trotzdem Spaß. Das Designbüro zählt seit Jahren zu den am häufigsten ausgezeichneten weltweit. Prämiert wurde es unter anderem mit zahlreiche Awards des Art Directors Club USA und Deutschland, Type Directors Club New York und Tokyo, Gold und Bronze Medaille Design Austria, Golden Bee Award Moskau, Plakatkunstpreis Sofia, Ehrendiplom VGD, Excellence Award China und Reddot Best of the Best Award und dem Lead Award in Gold. Die gemeinsam mit Kollegen initiierte Aktion »11 Designer für Deutschland« hatte mit großem Medienecho versucht, das Bewusstsein für Grafikdesign in die Öffentlichkeit zu tragen und das nach Ansicht der Initiatoren peinliche Logo der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu verhindern.
Fons Hickmann und sein Studio wurden eingeladen, bei der Eröffnung des weltweit ersten Museums für Grafik Design in Breda auszustellen. Die Ausstellung »European Championship of Graphic Design« wurde am 11. Juni 2008 von der niederländischen Königin Beatrix eröffnet. Fons Hickmann m23 konzipierte einen Beichtstuhl mit der Aufforderung »Design your Sins«. Hierbei konnten Besucher der Ausstellung ihre Sünden gestehen, die in Echtzeit zu Plakaten gestaltet wurden. Die Plakate wurden auf einer Anschlagstafel im Museum angebracht und als »Sins in Progress« durch während der Ausstellungsdauer neu hinzukommende Beichtplakate ergänzt. Die Königin wurde dabei von Fons Hickmann begrüßt. Im persönlichen Gespräch konnte Prof. Hickmann der Regentin seinen Ausstellungsbeitrag erläutern. Die Veranstaltung wurde live im Internet übertragen und erhielt große Resonanz in niederländischen und internationalen Medien.
GetTogether
So viel gutes Design will verarbeitet und verdaut werden... Das geht bei frischen Drinks und stylischer Loungemusik im Foyer. Wir laden ein zu unserem GetTogether: Also austauschen und runterspülen! Wir wollen Sie erholt und gut gelaunt wieder in die Welt des Alltags entlassen.



















